Jungen lesen

Vorlesen für Jungen

Der überwiegende Teil der ehrenamtlichen Vorleser/innen ist weiblich. Ob das nun ursächlich dafür ist, dass häufig über die mangelnde Zuhörbereitschaft und Konzentration insbesondere der Jungs geklagt wird? Zweifellos sind männliche (Lese-)Vorbilder viel zu selten und sehr wünschenswert - aber für eine gelingende Vorleseaktion sind sie keinesfalls Voraussetzung. Es gilt nur einige Grundregeln zu beherzigen.

Jungen lesen - aber anders!? Natürlich bestätigen hier Ausnahmen die Regel - aber überwiegend gilt, dass bestimmte Kriterien bei der Buchauswahl und auch bestimmte Gestaltungsmerkmale einer Vorleseaktion die Ansprache und das nachhaltige Erreichen dieser Zielgruppe leichter machen.

Eine interessante Erkenntnis: Man kann relativ problemlos Jungs-Themen bei Mädchen einsetzen - aber nicht umgekehrt! Wenn man also eine gemischte Gruppe hat, geht man mit der Berücksichtigung von Themen, die (auch) Jungs interessieren auf Nummer Sicher. Selbstverständlich wird es auch Jungen geben, die Prinzessinnengeschichten mit rosafarbenem Cover akzeptieren - aber in der Regel wird man mit Büchern, die abenteuerlich, spannend und witzig sind und gerne einen Sachbezug haben dürfen, mehr Erfolg haben. Wenig falsch machen kann man mit Tiergeschichten. Grundsätzlich brauchen Jungs eine eindeutige Identifikationsfigur; man sollte bei Geschichten also darauf achten, dass auch eine starke männliche Figur darin vorkommt. Natürlich können es auch "gemischte" Helden sein, z.B. eine Gruppe von Mädchen und Jungs. Oft ist auch ein Medienbezug hilfreich; es müssen gar nicht unbedingt die - allerdings sehr Erfolg versprechenden - Geschichten von StarWars sein. Auch ein spektakuläres Sachbuch mit vielen Fotos, kurzen Texten, Ausklappelementen oder Soundchips bringt nicht nur leseferne Jungs zum Staunen - und Zuhören.


Vorleseaktionen stellen für viele Jungen eine echte Herausforderung dar: Sie sollen ruhig sitzen bleiben und zuhören. Ganz schön schwer! Warum also nicht einmal das Vorlesen mit Bewegungselementen verbinden und z.B. Tierbewegungen nachspielen lassen, ein Gewitter durch Trampeln simulieren oder gemeinsam über einen fiktiven Fluss springen, um ins Märchenland zu gelangen?

Angesichts der oft mangelnden Konzentrationsfähigkeit ist insbesondere auch bei dieser Zielgruppe das dialogische bzw. interaktive Vorlesen wichtig. Die Zuhörer werden immer wieder durch Ansprache, Fragen, wie es weitergehen könnte oder die Bitte um Infos in die Geschichte einbezogen. Schließlich können die Jungs oft jede Menge Fachwissen vorweisen und sich endlich auch einmal kompetent oder sogar überlegen fühlen. Eine Erfahrung, die viel zu nachhaltigem Lesespaß beiträgt!