MENTOR - Die Leselernhelfer

MENTOR - Die Leselernhelfer Bundesverband e.V.

Das 1:1 Prinzip

Lesen ist das Tor zur Welt – MENTOR hat den Schlüssel
Bundesverband der Leselernhelfer verhilft Kindern zu besserem Start ins Leben

Paul ist stolz. Gerade hat er den Spruch „Auf den sieben Robbenklippen sitzen sieben Robbensippen, die sich in die Rippen stippen, bis sie von den Klippen kippen“ ohne Stolpern geschafft. Seine Mentorin lacht und lobt ihn. Zur gemeinsamen Lesestunde in der Grundschule hat sie heute neben lustigen Zungenbrechern auch ein Rate-Spiel und aus der Zeitung ausgeschnittenen Silbensalat mitgebracht. Den darf Paul nachher zusammensetzen, wenn er wieder eine kleine Pause braucht. Denn Lesen lernen ist harte Arbeit für den Achtjährigen – auch wenn er sein Lesefutter selbst aussuchen darf. Seine Leselernhelferin sorgt deshalb je nach Situation mit Gedichten, Witzen und Comics, Bewegungsspielen, Malen und Basteln, Vorlesen und Erzählen für Abwechslung in den 45 gemeinsamen Minuten. Woche für Woche schenkt sie ihrem Lesekind Zeit, Zuwendung und Zuverlässigkeit, um gezielt auf seine persönlichen Stärken und Schwächen einzugehen und damit seine Lese- und Sprachkompetenz individuell zu fördern.

So wie sie gehen in Deutschland mittlerweile über 10.000 Männer und Frauen als ehrenamtliche Mentoren und Mentorinnen in Grund- und weiterführende Schulen. Oberstes Prinzip ist die 1:1-Betreuung. Denn so unterschiedlich die Sprachdefizite bei den Jungen und Mädchen mit und ohne Migrationshintergrund sind, so unterschiedlich müssen auch die Methoden und Materialien sein, mit denen die Mentoren Sprach- und Leselust bei jedem einzelnen Kind wecken wollen. Dass dies am besten gelingt, wenn nach dem Leitsatz „Bindung vor Bildung“ ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Mentor und Lesekind besteht und statt Zeit- und Notendruck eine große Portion Humor, Lob und Geduld die Lesestunde tragen, wissen nicht nur Bildungsforscher, sondern auch die Mentoren und Mentorinnen aus ihrer täglichen Praxis.


„Spaß und Spiel sind wichtige Erfolgsfaktoren beim Mentoring. Unsere Ehrenamtler sind keine Nachhilfelehrer oder Hausaufgabenbetreuer, die in einer bestimmten Zeit zu bestimmten Ergebnissen kommen müssen. Für ihre Arbeit gilt: Je entspannter die Stimmung, desto besser die Lernsituation“, sagt Margret Schaaf. Die Hürtherin, die an ihrem Heimatort selbst eine MENTOR-Initiative organisiert, ist auch Vorsitzende des Bundesverbandes „MENTOR - Die Leselernhelfer“. Dieser versteht sich als Organisations-, Info- und Schulungsforum für alle nach dem 1:1-Prinzip arbeitenden Lese-Förderinitiativen und macht sich in der Öffentlichkeit für das Lese-Mentoring stark.

Zu den Säulen der Förderphilosophie, die der Bundesverband etablieren will, gehört vor allem die Überzeugung, dass die Zuwendung und Wertschätzung, die der Lesementor seinem Lesekind gibt, entscheidend zum Lernerfolg beiträgt. „Die Kinder genießen, dass ein Erwachsener Interesse an ihnen und ihrem Leben zeigt, und öffnen sich“, weiß Margret Schaaf. So motiviert und im kindlichen Selbstwertgefühl gestärkt, schaffen sie es gemeinsam mit ihren Leselernhelfern, die Tür zur bisher verschlossenen Welt des Lesens aufzustoßen und damit die wichtigste Schlüsselqualifikation für soziale Teilhabe zu erwerben. Denn nur wer die Fähigkeit hat, lesen zu können und die Bedeutung des Gelesenen zu erfassen, kann in einer komplexen Welt mitreden. Für Margret Schaaf ist die Hilfe zum Lesen lernen deshalb eine gesellschaftspolitische Aufgabe. „Und wir sind froh“, so die Vorsitzende, „dass sich immer mehr Menschen für diese Art des bürgerschaftlichen Engagements entscheiden und damit dazu beitragen, dass kein Kind zurückgelassen wird.“ Die Arbeit bei „MENTOR“ sei sinnvoll, überschaubar und vor allem erfüllend. „Das Mentoring ist keine Einbahnstraße“, betont Schaaf. „Die Leselernhelfer bekommen von den Kindern ein Feedback aus Neugier, Offenheit, Lernbereitschaft und Zuneigung zurück. Das ist oft sehr berührend.“

Dass die Mentoren auf ihre verantwortungsvolle Aufgabe gut vorbereitet werden, dafür sorgen die MENTOR-Vereine und Lese-Initiativen vor Ort: durch Einführungsveranstaltungen, regelmäßigen Erfahrungsaustausch und Weiterbildungen rund um das Thema Leseförderung. Dort wird den Lesementoren neben einem Werkzeugkasten voller praktischer Tipps und Tricks zur Vermittlung der Lesekompetenz auch pädagogisches Rüstzeug mit an die Hand gegeben. Bei den Treffen werden Erfolge und Misserfolge, Fragen und Probleme besprochen. Diese Qualifizierung der Mentoren auf einen einheitlichen professionellen Qualitätsstandard zu bringen, hat sich der Bundesverband zu seiner Aufgabe gemacht. Die Mentoren und ihre Vereine sollen Bedingungen vorfinden, unter denen sie optimal arbeiten können. Denn nur wenn die Leselernhelfer sich nicht allein gelassen oder überfordert fühlen, werden sie ihre ehrenamtliche Arbeit mit Freude fortsetzen.

Das tut auch Pauls Mentorin. Sie hat vor kurzem eine ermutigende Rückmeldung bekommen: „Pauls Lehrerin sagt, dass er im Unterricht viel interessierter ist und aktiver mitmacht, nicht nur beim Lesen“, berichtet sie und fügt lächelnd hinzu: „Das macht mich richtig froh.“

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Text von Andrea Ludwigs-Spalink

Kontakt:

MENTOR – Die Leselernhelfer Bundesverband e.V
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Tel.: 0221-16844744
Email: info@mentor-bundesverband.de
Internet: www.mentor-bundesverband.de
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