Mehrgenerationenhaus WABE in Waldbrunn

Mehrgenerationenhaus WABE in Waldbrunn

Im Mehrgenerationenhaus WABE („Waldbrunner Bürgerengagement“) in Waldbrunn entstand in den letzten beiden Jahren ein nachahmenswertes Projekt zur Leseförderung. Zurzeit engagieren sich 12 ehrenamtliche Lesepatinnen, die sich mit den umliegenden Grundschulen, Kindertageseinrichtungen und Büchereien vernetzen und in den verschiedenen Einrichtungen Lese- und Vorlesestunden veranstalten. Organisatorisch betreut werden sie von den Initiatorinnen Patricia Nennstiel-Tischler und Sigrid Decker-Hestermann.

Bereits im November 2013 wurden die ersten Lesepaten in einer Schulung auf ihren Einsatz vorbereitet und gegenwärtig treffen sie sich alle zwei Monate und nehmen in diesem Rahmen auch an weiteren Schulungen teil, denn, so Patricia Nennstiel-Tischler, „regelmäßiger Erfahrungsaustausch und Fortbildungen sind […] wichtige Bausteine zum Gelingen des Projektes.“


In den Grundschulen lesen die Patinnen mit einer Gruppe von zwei bis drei Kindern parallel zum Unterricht den aktuellen Stoff oder Bücher, welche die Kinder selbst aussuchen dürfen. In der Nachmittagsbetreuung der Grundschulen üben sie das Lesen, ebenfalls in Kleingruppen und in Absprache mit den Lehrern, mit leseschwächeren Kindern, während in den Kindertagesstätten jeweils eine Lesepatin den Kindern alle zwei Wochen vorliest. Darüber hinaus bringen zwei der Ehrenamtlichen berufliche Erfahrungen mit, die es ihnen erlaubt, Einzelförderungen anzubieten. Außerdem werden im Laufe des Jahres zu verschiedenen Anlässen Einzelaktionen veranstaltet: Die Ehrenamtlichen organisierten zum Beispiel in den Ferien oder an Feiertagen Lesespaß-Angebote für Kinder ab fünf Jahren oder auch zusammen mit der Bücherei ein Bilderbuchkino, das so gut ankam, dass es in 2015 fortgesetzt werden soll. Besonders großen Spaß hatten Kinder und Patinnen gleichermaßen am Bundesweiten Vorlesetag, an dem nicht nur neue und alte Geschichten, sondern auch eine Lesezeichen-Bastelstunde sowie selbstgebackene Waffeln auf dem Programm standen.

Überdies ist ein weiteres Projekt angegliedert, das ebenfalls zum Ziel hat, Freude im Umgang mit der Sprache zu entwickeln: Die Logopädin Regina Schneider bietet den sogenannten Lobo-Kurs an, mit dessen Hilfe Vorschulkindern auf spielerische Weise ein Einblicke in die Lautstruktur der gesprochenen Sprache gegeben werden soll, was nicht nur Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten vorbeugt, sondern auch den Einstieg in den Lese- und Schriftspracherwerb erleichtert. Das Besondere daran ist, dass Frau Schneider nicht direkt mit den Kindern übt, sondern die Eltern bei ihr ein Trainingsprogramm bestehend aus fünf Kurseinheiten absolvieren. So lernen die Eltern, die spielerischen Sprachübungen mit ihrem Kind durchzuführen und wie sie es auf diese Weise selbst fördern können.

Patricia Nennstiel-Tischler betont die Freude, die die Vorleserinnen bei ihrer Tätigkeit erfahren: Das Team der ehrenamtlichen Helfer hält „die Förderung der Lesekompetenz sowie einer ganzheitlichen Entwicklung junger Menschen für eine der wichtigsten gemeinschaftlichen Aufgaben“ und freut sich sehr, wenn durch das Projekt Menschen erreicht werden, „die sich für Kinder engagieren wollen.“