Kinderbuch-Apps

Vorlesen mit Kinderbuch-Apps

Ein neuer Trend im Kinder- und Jugendbuchbereich zeichnet sich ab: interaktive Kinderbücher für den Tablet-PC oder das Smartphone.

Was genau ist das? Apps sind Anwendungsprogramme für Tablet-PCs oder Smartphones. Inzwischen gibt es auf dem Medienmarkt auch immer mehr Kinderbuch-Apps, die interaktive Module wie zum Beispiel an- und ausschaltbare Erzählstimme, Aufnahmefunktion, Bewegungs- und Spielelemente mit einer klassischen Geschichte verbinden. Die Meinungen hierzu gehen stark auseinander - von Begeisterung bis zu rigoroser Verweigerung. Interessant hierzu ist die Studie der Stiftung Lesen aus dem Jahr 2012: Vorlesen mit Bilder- und Kinderbuch-Apps.

Eine kleine Auswahl von interessanten Apps, die das ganze Spektrum der neuen Möglichkeiten widerspiegeln, finden Sie in unseren Leseempfehlungen. Weitere Informationen zum digitalen (Vor-)Lesen gibt es in den Digitalen Lesewelten der Stiftung Lesen.

Die Positionen der Stiftung Lesen zum digitalen Lesen

ipad Bibliothek ©Fotolia

Die Stiftung Lesen tritt für eine Gleichwertigkeit aller Medien ein und zeigt sich insbesondere gegenüber den digitalen Medien im Allgemeinen und den digitalen Lesemedien im Besonderen offen. In den digitalen Lesemedien sieht sie zudem ein großes Potenzial für die Leseförderung.  


Digitales Lesen als Teil der digitalen Kultur: Ansatz

Die Stiftung Lesen verfolgt dabei einen chancenorientierten Ansatz, der einer differenzierten Betrachtung einzelner Parameter, die das digitale Lesen bestimmen und formen, verpflichtet ist. Einbezogen werden dabei zudem Aspekte, die allgemein von der Medienpädagogik und von den Akteuren aus diesem Bereich in den Blick genommen werden. Damit soll ein Anschluss der Positionen der Stiftung Lesen zum digitalen Lesen an medienpädagogische Diskussionen und an gängige Fragen von Multiplikatoren gewährleistet werden.

Die Stiftung Lesen ist der Überzeugung, dass die digitalen Medien das Lesen fordern und fördern. So gehen cirka 60 Prozent der Aktivitäten von Jugendlichen mit den digitalen Medien mit Lesen einher, denn das digitale Lesen umfasst sowohl das Lesen in den digitalen Medien als auch das Lesen mit den digitalen Medien. Das bedeutet auch, dass die Lesekompetenz mehr denn je eine Schlüsselkompetenz ist, um an Bildung teilzuhaben, Informationen zu bewerten, zu kommunizieren und die Gesellschaft aktiv mitgestalten zu können. Um eine Chancengleichheit zu schaffen, realisiert die Stiftung Lesen niedrigschwellige Beratungs- und Projektangebote, die eine Kompetenzbildung für alle Zielgruppen –  familiär, schulisch, außerschulisch – ermöglichen.

Digitales Lesen für alle Zielgruppen: Verfahren

In den Augen der Stiftung Lesen kann digitales Lesen in allen Zielgruppen stattfinden. Die geeigneten Produkte, die empfohlene Nutzungsdauer, die Einsatzmöglichkeiten und die Form des lesemotivatorischen Potenzials variieren dabei von Zielgruppe zu Zielgruppe.

  • Für Kleinkinder ab 2 Jahren sind Kinderbuch-Apps und interaktive Geschichten zu empfehlen, die in Begleitung Erwachsener mit dosierter Nutzungsdauer erschlossen werden sollten. Die Kinderbuch-Apps werden nicht nur von den Kindern geschätzt, sondern motivieren insbesondere Väter zum Vorlesen. Zudem ermöglichen sie Kindern, in Situationen, in denen sonst nicht gelesen wird, wie z.B. auf Reisen im Auto, Geschichten zu entdecken.
  • Für Vor- und Grundschulkinder eignen sich u.a. interaktive Geschichten-Apps, Lern-Apps, Mischformen aus Lesen und Gaming. Ihr lesemotivatorisches Potenzial liegt darin, dass sie das Lesen in einem neuen Licht zeigen können und dieses gewandelte Leseimage zu mehr Lesefreude führt. Ihr Einsatz sollte in eine schulische und außerschulische Medienkompetenzvermittlung eingebettet sein, da zum Erschließen der Angebote für diese Altersgruppe erste Kompetenzen einer Multimedia-Literacy und das Erlernen multimedialer Lesestrategien notwendig sind.
  • Für Jugendliche steht vor allem das Lesen in den digitalen Medien im Vordergrund. Dieses wird oftmals gar nicht als Lesen wahrgenommen, da es alltäglich erscheint und vom gängigen Lesebegriff, der mit Printbuch, Schule und Notenzwang assoziiert wird, abweicht. Sich dem eigenen alltagsintegrierten Lesen gewahr zu werden, darin liegt eine große Chance für die Leseförderung: Gerade Nicht-Leser können sich plötzlich selbst als lesende Persönlichkeit begreifen und sich ihrer eigenen Lesekompetenz vergewissern.
  • Für Senioren und mehrgenerative Ansätze steht weniger das Lesen in und mit den digitalen Medien im Vordergrund, sondern bei dieser Zielgruppe fungieren die digitalen Medien als ein Bindeglied zwischen den Generationen. Sie sind Vehikel für gegenseitige Kompetenzvermittlung, wechselseitigen Erfahrungsaustausch und eine kreative Freizeitgestaltung.

Digitale Lesemedien für die Leseförderung: Instrumente

Nicht jedes digitale Lesemedium ist per se zu empfehlen. Um in die Empfehlungen der Stiftung Lesen aufgenommen zu werden, müssen digitale Lesemedien bestimmte Vorgaben und Ansprüche erfüllen.

  • Übergeordnete Kriterien sind zum einen die Zielgruppeneignung, wozu eine alters- und gendergerechte Themenauswahl, das passende Sprachniveau, der adäquate Informationsgehalt und die angemessene ästhetisch-künstlerische Gestaltung gehören, und zum anderen die Situationseignung mit Varianzen für eigenständiges Erschließen, für gemeinschaftliche Leseerlebnisse, für Anschlusskommunikation und
    -aktion, für Leserituale etc.
  • Die Maßgaben des Jugendschutzes müssen erfüllt werden (keine externen Links, keine Werbung, keine In-App-Käufe) sowie eine niedrigschwellige Bedienbarkeit und technische Stabilität sollten gewährleistet sein.
  • Interaktive Elemente müssen sinnvoll integriert sein und dem Leser das Gefühl des Miterlebens vermitteln. Die Multimedialität darf nicht ablenken, sondern soll den Leseprozess unterstützen und den Leser emotional involvieren. Die Leseformate sollten dabei eine Adaptabilität vorweisen und etwa in Schrift, Informationsmenge, auditiver Unterstützung an ein individuelles (Lese)Niveau angepasst werden können.

Digitales Lesen in den Projekten der Stiftung Lesen: Credo

Die Stiftung Lesen vertritt den Standpunkt, dass Kinder und Jugendliche bei der Nutzung der digitalen (Lese)medien Anleitung und Begleitung durch Erwachsene benötigen. Um ihnen in der digitalen Welt zur Seite stehen zu können, müssen die Multiplikatoren aber selbst über die notwendige Medienkompetenz verfügen. Die Stiftung Lesen möchte einerseits mit ihren Maßnahmen eine Sensibilisierung bei Multiplikatoren für das Thema bewirken und andererseits diese mit konkreten Angeboten bei der Medienkompetenzvermittlung unterstützen.

Die Stiftung Lesen verfügt über zahlreiche Serviceangebote für unterschiedliche Zielgruppen zum Themenkomplex digitales Lesen. Dazu gehören Maßnahmen in den Bereichen Fortbildung, methodische und didaktische Handreichungen, Medienempfehlungen, Wettbewerbe, Aktionen und Forschung. Gebündelt werden all diese Angebote online auf www.stiftunglesen.de unter der Rubrik „Digitale Lesewelten“.